Sonntag, 5. September 2010
 Eine kleine Etikettenschau. Leider immer öfter anzutreffen: Explodierende Alkoholgehalte. Dicke, fette Weine mit Schmelz, die natürlich in Weinwettbewerben immer öfter die vorderen Plätze belegen. Geben halt was her...
Beim Trinken gibt es dann Probleme. Riecht gut, läuft wie Öl die Kehle runter und sättigt ungemein. Spätestens nach dem zweiten Glas ist Schluß. Es fehlt das animierende, das Mineralische und Lebendige, welches zu einem zweiten oder dritten oder... Gläschen verführt. Der Spaßfaktor kommt zu kurz!
Als Duftträger ist der Alkoholgehalt zwar wichtig, aber sehr oft ist des Guten auch zuviel. Insbesondere beim Riesling verlieren die Weine bei höheren Alkoholgehalten sehr oft ihre fruchtigkeit, werden breit und langweilig einsilbig. Wohlgemerkt, ich spreche hier über normale Trinkweine, die Weine die man jeden Tag genießt.
Da wir uns als "Spaßweinproduzenten" verstehen, unsere Rieslinge fruchtbetont und spritzig durch die eigene Gährungskohlensäure sein sollen, haben wir beim normalen Alltagswein gerade so um die 11 % bis 11.5%. Das sind reife und gesunde Rieslingtrauben mit der maximalen Assimilationsleistung an Fruchtzucker, ohne Aufkonzentration durch die Edelfäule oder einschrumpeln. Mehr braucht man nicht für jeden Tag.
Mittwoch, 19. Mai 2010
In meinem nächsten Leben werde ich Weinverkostungsveranstalter. Im Moment kommen fast täglich per Mail oder Brief Aufforderungen, an den verschiedensten Weinwettbewerben teilzunehmen. Sei es awc vienna, die Zeitschrift Selection, die Berliner Weintrophy, Best of Bio, Gault Millau, DLG, Feinschmecker EcoWinner, Cervim Steillagenweinverkostung, Int. Bioweinpreis, Mundus Vini und viele mehr. Ich hätte ja keine Probleme, Weine zu all diesen Verkostungen zu schicken, aber die Gebühren sind teilweise recht massiv. Bei den großen Weinführern Gault Millau, Eichelmann und Feinschmecker noch ohne zusätzliche Kosten - ECOVIN will mal gerade bescheidene 20 € Auwandsentschädigung pro Probe - jedoch dann geht es richtig zur Sache. Ab 70 € bis über 100 € pro angestelltem Wein verlangen die Veranstalter für Ihre Mühen. Es scheint sich richtig zu lohnen, denn diese Wettbewerbe haben sich in den letzten Jahren massiv vermehrt. Damit wird richtig Geld verdient Geld gedruckt.
Die Aussagekraft der dabei vergebenen Medailien ist teilweise sehr fraglich. Vorlieben einzelner Verkoster, die Rahmenbedingungen der Verkostung, das persönliche wohl- oder unwohlbefinden der Verkoster und vieles mehr beeinflussen stark die Ergebnisse. Es ist sehr einfach zu sagen das der Wein im Glase sehr gut ist, aber die objektive Einstufung in ein starres Punktesystem würde ich als sehr fraglich sehen, von einer Wiederholbarkeit solcher Punktevergabe ganz abgesehen. Zudem sind die Werbeeffekte vieler solcher Wettbewerbe unbedeutend und das Portomonai des Winzers wird auf jeden Fall um einiges erleichtert.
Wein-Inside.de, ein B2B-Online-Magazin widmete dem Medailienregen einen Artikel, welchen ich auszugweise zitiere:
”Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wein in einem Wettbewerb mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wird, kann statistisch gesehen nur mit Zufall erklärt werden.“
Zu diesem Ergebnis (neben anderen) kommt Robert T. Hodgson, emeritierter Professor für Statistik und Ozeanographie der Humboldt State University, in seiner jetzt im “Journal of Wine Economics” veröffentlichten Studie “An Analysis of the Concordance Among 13 U.S. Wine Competitions”.
Mit seinem mathematischem Hintergrund sei er jemand, der viel hinterfrage, teilt er uns mit, und nachdem seine eigenen Weine in dem einen Wettbewerb als "Best of" ausgezeichnet wurden, in anderen aber überhaupt keine Auszeichnung erhielten, sei es für ihn naheliegend gewesen, dieser Frage nachzugehen.
Hierzu untersuchte Hodgson die Resultate von 13 US-amerikanischen Weinwettbewerben des Jahres 2003, zu denen mehr als 4.000 Weine eingereicht worden waren. Darunter 2.440 Weine, die in mehr als 3 Wettbewerben eingereicht wurden.
Im Ergebnis stellt Hodgson fest, dass zwar 47 Prozent der Weine mit einer Goldmedaille in einem der Wettbewerbe ausgezeichnet wurden, 84 Prozent dieser Weine in anderen Wettbewerben allerdings ohne Auszeichnung blieben. Der gleiche Wein, dem in einem Wetteweb eine außergewöhnliche Qualität bescheinigt wurde, wurde in anderen als unterdurchschnittlich bewertet.
Robert Hodgsons Fazit
1) Zwischen den 13 untersuchten Weinwettbewerben gibt es hinsichtlich der Weinqualität so gut wie keinen Zusammenhang.
2) Ein Wein, der in dem einen Wettbewerb mit Gold ausgezeichnet wird, erhält in einem anderen höchstwahrscheinlich keine Auszeichnung.
3) Die Wahrscheinlichkeit, eine Goldmedaille zu erhalten, kann statistisch gesehen nur mit Zufall erklärt werden.
In einer früheren, 2008 veröffentlichten Untersuchung ( „An Examination of Judge Reliability at a major U.S. Wine Competition“) ging er der Frage nach, ob die an Weinwettbewerben beteiligten Juroren den gleichen Wein auch in einer zweiten Verkostung gleich bewerten. In den Jahren 2005 bis 2008 beteiligten sich jährlich zwischen 65 und 70 Juroren an diesem Experiment. Ergebnis: Lediglich etwa 10 Prozent der Juroren waren in der Lage, den gleichen Wein in unterschiedlichen Verkostungen der gleichen Medaillengruppe zuzuordnen.
Da es aber dem eigenen Ego sehr gut tut, nehme ich trotzdem an einigen Weinwettbewerben teil und es schmeichelt, wenn mal wieder eine Urkunde oder eine lobende Erwähnung in Haus flattert, wie obige Silber Medaille von der internationalen Rieslingverkostung Riesling du Monde in Frankreich, die die letzten Tage kam.
Donnerstag, 11. März 2010
Die 2009er Rieslinge sind abgefüllt und sind ab sofort lieferbar, wenn denn endlich die Druckerei die Etiketten fertig hätte. Wurden mir für Gestern Morgen zugesichert, dann für heute Morgen und jetzt heißt es Morgen...! Die Lieferzeiten auf der Homepage der Druckerei sollten vielleicht in "Morgen" geändert werden.
Ein verdammt guter Jahrgang! Schon an den Trauben während der Weinlese erkennbar: Extrem reife und gesunde Trauben deren Geschmack sich in den jungen Weinen wiederfindet. Viel frische Frucht im Auftakt, sehr elegante klare Struktur, intensives Bouquet mit betörender Aromatik nach Pfirsich, Mango und anderen tropischen Früchten und mit würziger Mineralität. Weine mit einer unnachahmlichen Konzentrierung von Bouquet und Aromastoffen; es ist fast zu schade sie schon jetzt zu trinken, sie könnten noch einige Monate Reifezeit vertragen.
Würde das Wort Jahrhundertjahrgang nicht so inflationär gebraucht und hätten wir nicht die Kimaänderung: Ja würde ich sagen auf die Frage, ob es ein Jahrhundertwein ist. Jedoch die Jahrhunderte werden durch die Erderwärmung immer kürzer und die sogenannten Jahrhundertjahrgänge sind fast an der Tagesordnung. Zudem gab in den letzten 20 Jahren keine schlechten Jahrgänge mehr. Einfach abgeschafft!
Am besten selbst probieren, ob es ein Superjahrgang ist. Die eigene Meinung bilden! Dafür haben wir wie in jedem Jahr ein Probesortiment geschnürt, damit sie sich selbst einen Überblick verschaffen können.
Dienstag, 9. Februar 2010
Um der eigenen Betriebsblindheit vorzubeugen, haben wir in den letzten Tagen mit unseren Freunden den Neuen Jahrgang probiert. Wie in jedem Jahr helfen uns unsere Freunde dabei, die Weine qualitativ zu beurteilen und das künftige Weinsortiment zu gestalten. Die 2009er Rieslinge haben allen gefallen. Im Basissegment fruchtbetont, mit zunehmender Qualität kraftvoller und schmelziger werdend. Besonders zwei Weine hatten es unseren Freunden angetan: Eine herausragend fruchtbetont schmeckende Spätlese und der beste Wein der letztjährigen Ernte, eine Auslese die sehr konzentriert, tief und komplex ist. Beide Weine aus der Reiler Goldlay, die, so mein Eindruck, dieses Jahr die besten Weine hervorgebracht hat.
Freitag, 15. Januar 2010
Wir haben dieser Tage unsere jungen Moselrieslinge verkostet. Kellerkalt auf den Tisch und probiert. Wärmer werden gelassen und dann der zweite Durchgang. Den dritten Durchgang am nächsten Tag. Der zutretende Sauerstoff hatte den Wein schon positiv verändert. Einzelne Weine wurden intensiver verkostet.
Diese erste, intensivere Probe machte sehr viel Spaß. Das Ergebniss unserer Arbeit des vergangenen Jahres ist ausnahmslos sehr gut geraten. Noch jung und hefetrüb, aber schon jetzt mit den Reizen nicht geizend. Nicht Mango, Pfirsich oder Marajuca erriechend, nein, ein wahres Potpourri an tropischen Düften entströmte den Probengläsern und konnte mit der Nase wahrgenommen werden. Das Schmecken und das Riechen, was man schon bei der Weinernte den sehr reifen Rieslingtrauben angesehen und erschmeckt hat.
Freitag, 20. November 2009
Wir sind dabei! Die aktuellen Buchausgaben der wichtigsten Weinführer sind in den letzten Tagen erschienen. Der Eichelmannweinführer lobt uns, der Feinschmecker zählt uns ebenso zu den besten Weingütern Deutschlands und auch in der "Bibel des Weines", dem Gault Millau Weinguide, sind wir vertreten. Punkte, Sternchen und Träubchen kennzeichnen unser Weingut.
Unsere Weine stehen auf den verschiedensten Weinverkostungen und es ist immer wieder interessant, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die verschiedenen Verkosterteams kommen. Eigentlich etwas ganz normales bei einem Getränk, welches sehr subjektiv wahrgenommen wird.
Wenn ich den Weinjournalisten Christian Wenger zitieren darf:
"Wie jede sensorische Verkostung widerspiegelt auch diese Degustation den persönlichen
Geschmack der Juroren, den Zustand der Flaschen und die Gunst des Tages. "
Besonders die Bewertungen des Gault Millau werden in der vinophilen Welt am heissesten diskutiert. Ich persönlich habe beim Wineguide teilweise den Eindruck, dass Bewertungen erwürfelt wurden oder ein Orakel befragt wird. Zudem läßt sich aus den Einzelbewertungen der Weine nicht auf die Bewertung des ganzen Betriebes schließen.
Ich will mich ja nicht beschweren, aber als z.B. bei der letztjährigen Ausgabe des Wineguides die qualitative Reihenfolge meines Weinsortimentes, die von meinen Kunden, meinen Freunden, Weinjournalisten und mir immer wieder beim Probieren bestätigt wurde, in einer ganz anderen qualitativen Reihenfolge, zufällig und bunt zusammengewürfelt, in diesen Buch stand: Stirnrunzeln und Fragezeichen meinerseits. Hatten die Verkoster einen schlechten Tag? Von der Frau geärgert worden? Oder hat die Bibel doch recht??
Da ich bisher nur in einer Buchhandlung Einblick hatte und ich mein Geld besser ausgeben kann als dieses Buch zu kaufen, werde ich mir die aktuelle Ausgabe von einem Kollegen ausleihen, darüber sinnieren und Gedanken machen. Vielleicht schreibe ich noch einen weiteren Beitrag hier in diesem Blog darüber.
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